Geschwisterkinder lernen schnell, Rücksicht zu üben, Verantwortung zu übernehmen und ihre eigenen Wünsche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung zurückzustellen. Oft haben sie das Gefühl, ihren Eltern nicht auch noch mit Fragen, Sorgen oder Ängsten zur Last fallen zu dürfen. Nicht selten fühlen sie sich daher überfordert und innerlich zerrissen, weil sie helfen wollen, aber natürlich auch eigene Bedürfnisse haben. Einige versuchen, sich so angepasst wie möglich zu verhalten. Manche Kinder werden ängstlich und zeigen Reaktionen wie Einnässen, Einschlafschwierigkeiten oder andere rückläufige Entwicklungsschritte. Warnsignale können auch Verhaltensauffälligkeiten oder Schulprobleme sein.
Hilfen für Geschwisterkinder
Wenn Kinder mit einem schwer erkrankten Geschwisterkind aufwachsen, kann sich das auf ihr gesamtes Erleben auswirken. Häufig begleitet ein Elternteil das kranke Kind über einen langen Zeitraum hinweg in Akut- und Rehakliniken. Zuhause muss der Alltag dennoch weiter organisiert werden. Für gemeinsame Aktivitäten fehlen oft Zeit und Kraft. Meistens sorgen sich die Eltern, dass sie den gesunden Kindern nicht gerecht werden.
Was können Eltern tun?
Reden Sie miteinander!
Diese neue Lebenssituation braucht Aufmerksamkeit und geschützte Räume, in denen Sie und Ihre Kinder Bedürfnisse, Sorgen und Gefühle – positive wie negative – äußern können. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über das, was Sie bewegt, denn Kinder spüren, wenn Eltern in Sorge sind.
Beantworten Sie Fragen!
Beantworten Sie Fragen zur der Erkrankung oder den Unfallfolgen offen und ehrlich. Nur so können Sie möglichen Schuldgefühlen, Ängsten oder Mutmaßungen Ihrer Kinder vorbeugen.
Nehmen Sie sich Zeit!
Nehmen Sie sich mindestens einmal pro Woche Zeit, die Sie mit jedem Ihrer gesunden Kinder allein verbringen. Das bestärkt bei den Geschwisterkindern das Gefühl:„Auch ich bin wichtig!“ Würdigen Sie das Engagement und die Rücksichtnahme der Geschwister.
Lebensraum gestalten!
Fördern Sie die Entwicklungsschritte der Geschwisterkinder. Auch diese brauchen Raum für Freundinnen und Freunde, für Ideen, zum Spielen und Zeit für sich selbst. Binden Sie andere Bezugspersonen mit ein, die Sie hierbei unterstützen können. Geschwistergruppen und ‑tage bieten Austausch mit anderen Kindern, die ähnliche Erfahrungen in ihrer Familie machen.
Achten Sie auf sich!
Nehmen Sie Ihre eigenen Grenzen wahr, gönnen Sie sich selbst kleine Auszeiten und holen Sie sich bei Bedarf notwendige Hilfe! Damit sind Sie auch ein Vorbild für Ihre Kinder.
Freizeitangebote für Geschwister
Die Kinder- und Jugendhospizarbeit Landkreis Konstanz bietet Geschwistern von Kindern mit schweren Erkrankungen und/oder einer schweren Behinderung verschiedene Angebote:
Qualifizierte Ehrenamtliche ermöglichen im ganzen Landkreis Konstanz individuelle Auszeiten, wenn es in Ihrer Familie zu einer krankheitsbedingten Krise kommt. Sie schenken den gesunden Geschwistern ungeteilte Aufmerksamkeit – Momente zum Durchschnaufen und Auftanken – z. B. auf dem Spielplatz, beim Sport, in der Natur oder im Gespräch.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, an einzelnen Geschwistertagen und/oder einer fortlaufenden Geschwistergruppe teilzunehmen. Neben Spiel und Spaß erleben die Kinder, dass sie mit ihrer besonderen Situation nicht allein sind. Idealerweise werden die Kinder dadurch gestärkt und in ihrem gesunden Heranwachsen unterstützt.